Aus den Südtiroler Schachvereinen 2021

 

 

SC Gröden

 

Nachruf an Franz Prinoth (1937 – 2021)

 

20.09.2021  Am vergangenen Freitag ist Franz Prinoth nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Er wurde 84 Jahre alt. Prinoth war Gründungsmitglied des Schachclubs St. Ulrich, aus dem später der erfolgreiche SC Gröden hervorging. Wir veröffentlichen einen Nachruf.   

 

--------------------------------

von Rainer Demetz

--------------------------------

Unser Schachfreund Franz Prinoth „da Stefun“ kam am 29. Jänner 1937 auf die Welt und ist am 17. September 2021 im Alter von 84 Jahren gestorben.

Franz war im Jahre 1959 Gründungsmitglied des Schachclubs St. Ulrich (nun Gröden) und blieb seinem Verein bis zu seinem Tod treu. Er beschäftigte sich mit Schach über einen Zeitraum von mehr als 60 Jahren.

Franz war jenes Vereinsmitglied Grödens, das am längsten aktiv Schach gespielt hatte. Seine Partien sind seit Anfang der Sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts dokumentiert. Ebenso dokumentiert ist seine letzte Partie, die er bei der 50. SMM 2018/19 in der B-Liga am 9. Februar 2019 absolvierte.

Franz kann getrost als Grödner Schach-Urgestein bezeichnet werden. Neun Mal wurde er Vereinsmeister zwischen 1960 und 1975. Im Zeitraum von 1985 bis 2016 erzielte er in der A-Liga der SMM für den Schachclub Gröden aus 117 Partien 78,5 Punkte.

Seine sportlich höchste Form hatte Franz altersgemäß in den Sechziger und Siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit war er einer der besten Schachspieler Südtirols. Leider gab es damals in Südtirol noch keine Elo-Bewertung. Seine höchste Elo-Zahl betrug dann später 1784, aber seine effektive frühere Spielstärke kam der eines Meisterkandidaten oder gar eines Meisters gleich. Aber auch im 21. Jahrhundert steuerte er wertvolle Punkte für den Schachclub Gröden bei, wie die hier angeführten Partien beweisen (Anm. der Red.: siehe pdf-Datei zum herunterladen).

Am Schachbrett vermittelte Franz den Eindruck von Kraft und Energie, von Erfahrung und gesundem Hausverstand. Sein Spiel war kein Hauruckschach, sondern umsichtig und positionell angesetzt. Er kannte die Klassiker und spielte die verschiedensten Eröffnungen. Bis zuletzt las er gerne Schachzeitschriften.

Seine beiden Kinder Jan Matie und Nicolette und seine Enkelkinder hatten ihn mit Freude und Stolz erfüllt.

Franz hatte ein ausgezeichnetes Gedächtnis und war ein begnadeter Erzähler. Wie schön war es, ihm zuzuhören, wenn er von seinen früheren Schacherlebnissen erzählte und wenn er seine vielen Wanderungen und Bergerfahrungen, auch Rettungseinsätze, wortgewaltig und humorvoll schilderte! Auch seine Erinnerungen über die historischen und politischen Abläufe im Dorf waren denkwürdig.

Beruflich war Franz Bildhauer und daher auch sehr an Kunst und Kultur interessiert. Er trachtete nicht nach Geld und Vermögen, nicht nach Macht und Erfolg, sondern erfreute sich an der Natur und an ihrer kraftschöpfenden Schönheit. Die Berge in den Dolomiten liebte er in besonderer Weise und viele bestieg er in Begleitung von Bergkameraden.

Er war für mehrere Perioden im Gemeinderat von St. Ulrich, stets in der Opposition. Franz hatte ein ausgesprochenes Gespür für Gerechtigkeit zum Schutz der sozial Schwächeren und der Umwelt und gegen die Allmachtvorhaben der Mächtigen.

Sein kritischer Geist, gepaart mit Menschlichkeit und Vernunft, kennzeichnete ihn sein ganzes Leben lang. Eine etwas raue Schale und ein forscher Blick, die manchmal wegen ihrer vermeintlichen Härte beinahe abweisend erschienen, verbargen ein wohlwollendes Gemüt im Kern. Wie sehr konnte er auch mit Leib und Seele lachen!

Franz hatte ein abwechslungsreiches Leben, in dem er durch Phantasie und Geselligkeit, Witz und Charme, sportliche Fitness und Kondition Vieles erlebt hatte. Auch ihm blieben Gebrechen und Leiden nicht erspart: All dies ertrug er klaglos, bescheiden und mit Würde. Nun ist sein irdischer Weg friedlich abgeschlossen.

Mögest Du nun, lieber Franz, ohne Zeitnot mit Deinem kritischen Auge unsere zukünftigen Schachpartien begutachten. Wir können uns gut vorstellen, dass Du auch im Jenseits die Begeisterung für das Schach beibehältst!

Dein Schachclub Gröden

 

Franz Prinoths Partien

Franz Prinoth

ASD Arci Scacchi

 

Die Bozner wollen es machen

 

24.05.2021 Seit dem 7. März des vergangenen Jahres stehen in Südtirol die Schachfiguren still. Ein Ende der „schachlosen“ Zeit ist aber in Sicht: Der Schachclub Arci Scacchi plant die Ausrichtung des 16. Bozner Opens in der Zeit vom 23. bis 25. Juli. Dafür muss der Veranstalter umziehen.

Der Veranstalter hatte im Vorjahr Glück: Kurz vor dem Ausbruch der durch das Coronavirus verursachten Pandemie brachte Turnierdirektor Luca D’Ambrosio die 15. Auflage unter Dach und Fach. Abgesehen von der Südtiroler Mannschaftsmeisterschaft gab es danach auf Südtiroler Boden keine Schachveranstaltung mehr. Nun könnte „sein“ Turnier das erste sein, mit dem ein Lichtblick aufkeimt.

Aufgrund der nach wie vor gültigen Hygienebestimmungen ist ein Umzug notwendig. Nach sechs Jahren Aufenthalt auf Schloss Maretsch wird die 16. Auflage im Merkantilgebäude in der Silbergasse 6 ausgetragen. Die dort vorherschenden Räumlichkeiten bieten – so D’Ambrosio – bessere Möglichkeiten, die Bedingungen zum Schutz der Teilnehmer umzusetzen. Allerdings ist die Teilnehmerzahl auf 90 begrenzt. Eine rasche Einschreibung ist deshalb emfehlenswert.

In diesem Jahr ist das Bozner Open eng mit einer anderen Veranstaltung verknüpft: In Meran feiert das russische Zentrum Borodina das 40-jährige Jubiläum des WM-Kampfes zwischen Anatoli Karpov und Viktor Kortschnoi. Aus diesem Anlass wird eine russische Delegation in der Passerstadt erwartet, die auch den einen oder anderen Teilnehmer für das Bozner Open stellen soll. Doch hinter allem steht ein Fragezeichen, und angesichts der aktuellen Verhältnisse man muss wohl kaum noch erwähnen warum.

Ein Wehrmutstropfen gibt es allerdings schon. Im Gegensatz zu den früheren Veranstaltungen ist das Bozner Open in diesem Jahr nicht als SSB-Landesmeisterschaft ausgeschrieben.

Die Ausschreibungen finden Sie im Kalender.